Nicht mehr hilflos im Katastrophenfall

Dem Vortrag Bevölkerungsschutz in NRW und Deutschland folgt die Erste Hilfe Ausbildung mit Selbstschutzinhalten im Wiescheider Treff

Dass wir in krisenhaften Zeiten leben, wissen wir längst : Konflikte, hybride Kriege, Natur- oder Umweltkatastrophen – viele Menschen ängstigt das, denn sie fühlen sich nicht ausreichend auf solche Krisen vorbereitet. Die Hilfsorganisationen warnen auch und fordern eine bessere finanzielle Ausstattung für den Schutz der Bevölkerung und eine dauerhafte Erhöhung auf mindestens 0,5% des Bundeshaushalts, das sind 2,4 Milliarden Euro- eigentlich eine sehr überschaubare Summe.

Den Wiescheider Treff interessierte es nach den jüngsten Vorträgen aus der Perspektive der Bundeswehr ,wie sich das Thema aus der Sicht des Arbeiter Samariter Bundes(ASB), einer der 5 großen Hilfsorganisationen, darstellt und lud den Geschäftsführer des ASB, Kreisverband Mettmann, Dominik Hohnbaum ein. Es folgte zunächst ein kleiner Film, der erläuterte, was Bevölkerungsschutz ist, um danach weiter die Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen zu erläutern. Der Bund wird im Rahmen des Zivilschutzes tätig und unterstützt die Bundesländer im Zuge der Katastrophenhilfe. Die Bundesländer regeln in eigener Zuständigkeit den Katastrophenschutz, den Rettungsdienst und das Feuerwehrwesen. Die Kreise und kreisfreien Städte nehmen Planungen für Katastrophen und Großeinsatzlagen vor und sind Träger des Rettungsdienstes.

Ein aus Sicht des Publikums sehr kompliziertes Geflecht der Zuständigkeiten im gesamtgesellschaftliches Sicherheitssystem, zu dem noch Polizei, Bundeswehr, Nachrichtendienste, Akteure im Bevölkerungsschutz sowie Infrastrukturbetreibende gehören. Anhand von vielen konkreten Beispielen wurde das Agieren der unterschiedlichen Akteure allerdings deutlicher. Erinnert wurde an 2018,als der Orkan „Friederike“ Stromleitungen beschädigte und bis zu 140.000 Menschen über Stunden bis wenige Tage von der Stromversorgung abschnitt , an die Starkregenfälle, die im Juli 2021 in NRW und Rheinland-Pfalz verheerende Sturzfluten und Überschwemmungen verursachten ,an die Corona-Pandemie seit 2020 und auch an den Messerangriff beim Solinger Stadtfest 2024 – diese Ereignisse sind nur einige Beispiele für Notsituationen, die in Deutschland in den letzten Jahren eingetreten sind.

Die Abnahme der Selbsthilfefähigkeit betrachtete der Referent, der auch Notfallsanitäter und Rettungs -und Brandschutzingenieur ist, als ein ganz wichtiges Phänomen. “Die Gesellschaft hat die Fähigkeit verloren, sich selbst zu helfen „so Hohnbaum . Bei Hochwasser in den Keller rennen, nennt er nur als ein Beispiel, was todbringend sein kann. Doch diese Ereignisse, sobald vorüber, vergessen viele sehr gerne sehr schnell. Er warnte vor diesem Problem der „Katastrophendemenz“ und mahnte an, aus den Erfahrungen der letzten Jahre zu lernen. Es sei an der Zeit den Katastrophenschutz aus seinem Nischendasein hervorzuholen und langfristig in die Resilienz der Bevölkerung zu investieren. „Die Fähigkeit zur Resilienz , die eigene psychische und physische Widerstandskräfte zu mobilisieren, damit man in Krisen- und Notfallsituationen einen klaren Kopf bewahren und richtig handeln“ darauf kommt es jetzt an, so Hohnbaum. Dafür gibt es ein Programm „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“, das man erlernen kann und das kostenlos vom ASB im Wiescheider Treff angeboten wird, weil es ein gefördertes Projekt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist. Dort heißt es: “ Bei großflächigen Schadenslagen können die Rettungskräfte nicht überall gleichzeitig sein. Wer vorbereitet ist, kann sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis die staatliche Hilfe eintrifft und Schäden mit Schutzmaßnahmen reduzieren. Helfen Sie mit, Notsituationen gemeinschaftlich zu bewältigen, und sorgen Sie vor!“

Der Referent fügte zum Schluss hinzu: „Was Sie hier im Wiescheider Treff haben, ist ein Ort der Resilienz, auf den Sie und die Stadt stolz sein können. Denn hier findet Information, Hilfe und Unterstützung statt“.

Das Publikum dankte Herrn Hohnbaum mit großem Applaus für diese umfassende Informationen in seinem anschaulichen Vortrag und äußerte den Wunsch nach Fortbildung mit Selbstschutzinhalten.