
Dem Rätsel Kafka auf der Spur
Die unglaubliche Hitze konnte 30 Literaturbegeisterte nicht davon abhalten, am 14.8.25 dem Vortrag von Elke Nußbaum über den vor 101 Jahren an den Folgen einer Lungentuberkulose gestorbenen Schriftsteller Kafkas zu lauschen. Wer war dieser Autor von „Der Prozess“ , “Das Urteil“ ,“Die Verwandlung“ und „Das Schloss“, um die berühmtesten Prosawerke des jüdischen Schriftstellerts zu nennen? Und warum fasziniert er auf Tiktok und Instagram jugendliche Fans?
Elke Nußbaum zeichnete detailliert den Lebensweg des 1883 als Sohn jüdischer Eltern in Prag geborenen Mannes nach, der. Sie skizzierte mit Originaltexten, Zeichnungen und Fotos den familiären Hintergrund, seine Konflikte und Abrechnung mit dem Vater, seinen schulischen und wissenschaftlichen Werdegang, seine Berufs- und Wohnsituation, seine Ernährungsgewohnheiten, seine Freundschaft mit Max Brod, seine Liebesgeschichten mit Felice Bauer, Milena Jesenska, Julie Wohryzek und Dora Diamant, Verlobungen, Entlobungen und sein schriftstellerisches Schaffen. Kafka schrieb wie im Rausch-„Das Urteil“ schrieb er in einer Nacht; an seine zukünftige Verlobte Felice Bauer schrieb er 90 Brief in 3 Monaten. Er verarbeitete seine Erfahrungen in der Versicherung mit Beschreibungen über die Absurdität der Bürokratie oder er beschrieb literarisch den Arbeitsunfall der Mutter von Therese.
Vielen Zuhörenden war es neu, dass Kafka nach einem Jurastudium, das er 1906 mit der Promotion abschloss, 1908 in die „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt“ eintrat, deren Beamter er bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung im Jahr 1922 blieb. Im Spätsommer 1917 erlitt Franz Kafka einen Blutsturz; es war der Ausbruch der Tuberkulose, an deren Folgen er 1924, mit 40 Jahren starb. Einen Tag vor seinem Tod korrigierte er noch Manuskripte.
Obwohl Kafka verfügt hat, seine literarische Hinterlassenschaft „restlos und ungelesen zu verbrennen“, veröffentlicht sein Freund Max Brod postum den Roman „Der Prozeß“ und in den kommenden Jahren das „Schloß“, „Amerika“ sowie weitere Fragmente, Briefe und die Tagebücher seines Freundes. Zum Glück-kann man sagen.
Rätselhaft blieb dem Publikum Kafka nach dem Vortrag immer noch, aber die große Faszination, warum und mit welchen Folgen das literarische Schreiben einen so zentralen, existenziellen Stellenwert für Kafka hatte, wurde klar. Mit dankbarem Applaus für diesen fundierten Vortrag wurde Frau Nußbaum verabschiedet.
Vormerken: Am 16.Oktober wird es um die vor 50 Jahren verstorbene Dichterin Mascha Kaléko gehen. (DS)







