Der Skytrain und das verschwundene Kloster

Was hat das Düsseldorfer Flughafengelände mit einem Kloster zu tun? Hans-Dieter Budde(83 Jahre), ehemaliger Journalist und Paul Schauf (87 Jahre), ehemaliger Sprengmeister klärten das Publikum im voll besetzten Wiescheider Treff fachkundig auf. Unterhalb des Skytrains, zwischen Frachtstraße und den Parkhäusern im Düsseldorfer Flughafen, befand sich 95 Jahre ein Kloster. Es wurde 1964 zugunsten der Flughafenerweiterung komplett abgerissen. Die Geschichte dieses Klosters und die Sprengung standen im Mittelpunkt des Erzählcafés in Wiescheid.

Die beiden Referenten informierten ,dass der Kartäuserorden Düsseldorf vor rund 60 Jahren verließ und ins Allgäu umzog. Der nahe Flughafen war den Patres und Brüdern zu laut geworden. Die „Kartause Maria Hain“ wurde danach sofort dem Erdboden gleichgemacht. Anhand von eindrucksvollen Fotos und Filmausschnitten eines alten WDR Films vom einst größten Kloster der Region ließen die Referenten das Leben der Mönche damals und heute „auferstehen“. Fasziniert verfolgten die Gäste die Bilder der alten Schreinerei, der Innenausstattung der Kartause, dem Kreuzgang, der Kirche, Kupferstiche der gesamten Anlage und man bekam im Laufe des Vortrags eine immer größer werdende Ahnung ,welch ruhiges, in sich geschlossenes Leben die Mönche damals führten und wie gigantisch groß die ganze Anlage war.

Plastisch illustrierte Hans-Dieter Budde eine Projektion des rund 700.000 Quadratmeter großen Klostergeländes(rot) ,das er in eine Karte des Langenfelder Stadtgebiet integrierte, um die Größe vorstellbar werden zu lassen. Darin eingebettet ist auch die Gebäudefläche der Kartause Maria Hain innerhalb eines grünen Schutzwalls (dicke grüne Linie). Das Staunen nahm kein Ende.

Und der Langenfelder Sprengmeister Paul Schauf (87) ,auf Fotos als junger Mann bei seinem Sprengauftrag zu sehen, berichtet vom größten, aber auch bewegendsten Auftrag seines Lebens, dem Abriss des Klosters. Ein Schlüsselbund und eine Petroleumlampe sind ihm als wichtige Erinnerungstücke geblieben, die ihm der damalige Abt schenkte.

Überraschend für alle war, dass Menschen zu dem Vortrag kamen, die früher in dem Obstgarten nach der Sprengung Äpfel pflückten, dort zwischen den Mauern noch gespielt hatten und Erinnerungen beisteuern konnten: „Ein toller Nachmittag“, „Dass ich noch einmal Fotos von der Anlage sehen konnte, war wunderbar und ich wurde wieder das spielende Kind von damals“. „Wenn ich jetzt mit dem Skytrain fahre, werfe ich einen ehrfurchtsvollen Blick nach unten und denke an das alte Kloster“

So war es irgendwie selbstverständlich, dass alle Anwesenden für die Kartäusermönche zur Unterhaltung der Klosteranlage in Bad Wurzach spenden wollten.(DS)