2 Minuten pro Paket

Selbst das schöne Wetter war am 8.März keine Konkurrenz am Internationalen Frauentag für das Thema im Erzählcafé “Arbeitsbedingungen der Post- und Paketzustellerinnen der DHL“. Im voll besetzten Wiescheider Treff kamen die beiden Mitarbeiterinnen Iris Zimmermann und Tanja Thiel selbst zu Wort und schilderten, wie so ein typischer Arbeitsalltag im Schicht- und Springerdienst aussieht.

Zunächst skizzierte Doris Sandbrink vor ihrem anschließenden Gespräch mit den beiden die guten Ergebnisse der DHL im Brief- und Paketgeschäft, die wenige Tage zuvor im Wirtschaftsteil aller Zeitungen zu lesen waren. Trotz schwacher Weltkonjunktur stieg der Umsatz um 3% auf 17,9 Milliarden Euro. Kosten konnten durch optimierte Arbeitsabläufe, Einsatz von Robotern und Künstlicher Intelligenz und Optimierung der Routen sowie Portoerhöhungen im Stammgeschäft „Beförderung von Briefen und Paketen“ erzielt werden. Soweit die Fakten.

Da bekamen Statistiken auf einmal konkrete Gesichter, als die beiden Post- und Paketzustellerinnen zum Stammgeschäft interviewt wurden. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger aus allen Stadtteilen Langenfelds fragten 70 Minuten intensiv nach und konnten so erfahren, unter welchem enormen Zeitdruck zugestellt werden muss. Beide Zustellerinnen sind jahrzehntelang bei der Post/DHL beschäftigt, kennen alle Entwicklungen von Briefe austragen mit dem Fahrrad bis jetzt zur Beförderung von Paketen mit E-Auto bis zu einem Maximalgewicht von 31,5 Kilo. D.h. 130-150 Pakete täglich, in der „black week“ und Vorweihnachtszeit sind es auch über 200 Pakete und für jedes Paket sind 2 Minuten Zustellzeit kalkuliert. Und nicht immer sind die Kunden anwesend, das Suchen nach annahmebereiten Nachbarn und manchmal auch funktionierenden Aufzügen kostet Zeit. Dabei sind ebenfalls so unsichtbare Faktoren außerhalb der Statistiken wie Dunkelheit und Witterungsverhältnisse beim Umschichten der Pakete zu berücksichtigen. Nicht allein die hohe körperliche Belastung durch die steigenden Paketmengen, den enormen Zeitdruck durch die Vergrößerung der Bezirke, die Verlängerung der Arbeitstage kennzeichnen den Arbeitsalltag, auch der minimale Kontakt mit den Kunden, die Dankbarkeit und das Lächeln, als Mensch gesehen zu werden, bedeuten den beiden viel. „Wir lieben unsere Arbeit und könnten uns keinen anderen Job vorstellen“, so Tanja Thiel und Iris Zimmermann.

Das Publikum dankte mit nicht enden wollendem Applaus für diesen Einblick in den Arbeitsalltag. „So ein toller Nachmittag“, „Ich habe gar nicht gewusst, wie hart die Arbeit ist“, „Wie kann man dabei immer noch so freundlich und hilfsbereit sein?“, „Ich bin sprachlos und werde es überall im Bekanntenkreis erzählen, damit mehr Respekt und Wertschätzung für diese Arbeit gezeigt wird“, „Mutig, dass die beiden Frauen sich den Fragen gestellt haben“, „Toll, dass der Wiescheider Treff uns hat über den Tellerrand blicken lassen.“-so nur einige Stimmen und die Gespräche endeten noch lange nicht.(DS)