
Debatte über nukleare Abschreckung
Demokratieforum diskutiert nukleare Abschreckung und
demokratische Verantwortung
35 Besucher informierten sich im Wiescheider Treff über Atomwaffen, das Prinzip der Abschreckung und die Frage, wie sich eine Gesellschaft auf Krisen vorbereiten kann.
„Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter“ – unter diesem zugespitzten Titel stand der Vortragsabend der Volkshochschule Langenfeld am Mittwoch, 14. Oktober, der diesmal im Wiescheider Treff stattfand. Im Rahmen des Langenfelder Demokratieforums beleuchtete Hauptmann Ron Hendricks, Jugendoffizier und Referent für Sicherheitspolitik der Bundeswehr, die Grundlagen nuklearer Abschreckung und ihre Bedeutung für die heutige Sicherheitspolitik. Im Anschluss diskutierten die 35 Besucher die aktuelle Bedrohungslage und die Frage, wie sich das Prinzip der Abschreckung mit demokratischen Werten vereinbaren lässt.
Bereits zum vierten Mal war Hendricks zu Gast im Wiescheider Treff. Zu Beginn gab er einen Überblick über verschiedene Arten von Atomwaffen, ihre Wirkungsweisen und das von ihnen ausgehende Zerstörungspotenzial. Der historische Rückblick führte ins Jahr 1945: Mit dem Trinity-Test wurde erstmals eine Atombombe erfolgreich gezündet. Wenige Wochen später kamen mit den Bombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki erstmals Atomwaffen in einem Krieg zum Einsatz.
Das Atomzeitalter veränderte die internationale Sicherheitspolitik grundlegend. Während des Kalten Krieges entwickelte sich zwischen den Machtblöcken das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“. Beide Seiten verfügten über genügend nukleare Sprengkraft, um selbst nach einem gegnerischen Angriff einen vernichtenden Gegenschlag führen zu können. Diese gegenseitige Fähigkeit zur Zerstörung bildet den Kern der als „Mutually Assured Destruction“ (MAD) bezeichneten Abschreckungsdoktrin.
Wie ein solcher Zweitschlag auch nach einem gegnerischen Erstschlag möglich bleiben soll, erläuterte Hendricks anhand der nuklearen Triade. Sie umfasst drei zentrale Trägersysteme: Langstreckenbomber, landgestützte Interkontinentalraketen und U-Boote. Die Verteilung auf unterschiedliche Systeme soll sicherstellen, dass ein Gegner nicht sämtliche nuklearen Fähigkeiten mit einem einzigen Angriff ausschalten kann.
Darüber hinaus unterschied der Referent zwischen verschiedenen Typen von Atomwaffen und ihren Einsatzmöglichkeiten. Während strategische Atomwaffen vor allem mit großräumiger Zerstörung verbunden sind, sind taktische Nuklearwaffen für räumlich begrenztere militärische Einsätze vorgesehen. Auch die technischen Grundlagen und die Wirkungsweisen der unterschiedlichen Waffenarten wurden erläutert.
Nach dem Ende des Kalten Krieges rückte die nukleare Bedrohung zeitweise stärker in den Hintergrund. Internationale Vereinbarungen wie der Atomwaffensperrvertrag sollten dazu beitragen, die Weiterverbreitung von Kernwaffen einzudämmen. Angesichts neuer Aufrüstungsbestrebungen und wiederkehrender Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen sind die grundlegenden Fragen nuklearer Abschreckung heute jedoch erneut von großer Aktualität.
Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion stand deshalb nicht allein die militärische Funktionsweise der Abschreckung, sondern auch ihre gesellschaftliche und ethische Dimension. Wie tragfähig ist ein Sicherheitskonzept, das auf der glaubhaften Androhung gegenseitiger Vernichtung beruht? Und wie kann eine demokratische Gesellschaft mit einer Bedrohung umgehen, deren mögliche Folgen kaum vorstellbar sind? Die Besucher tauschten ihre Einschätzungen zur aktuellen Sicherheitslage aus und diskutierten Möglichkeiten, die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft gegenüber möglichen Angriffen zu stärken. Dabei kam auch die Frage auf, ob eine bessere Vorbereitung auf Krisen selbst zur Abschreckung beitragen kann.
Wie sich Bürger auf außergewöhnliche Notlagen vorbereiten und im Ernstfall gegenseitig unterstützen können, zeigt ein kostenfreies Kursangebot der vhs Langenfeld in Kooperation mit dem ASB Kreisverband Mettmann. Bei der neuen Kursreihe „Gemeinsam stark im Stadtteil“, handelt es sich um kostenfreie Kurse zur Ersten Hilfe mit Selbstschutzinhalten.
Die Teilnehmenden lernen direkt in den Stadtteilen, in Notfällen zu handeln, Vorsorgemaßnahmen für außergewöhnliche Ereignisse zu treffen und sich in Krisensituationen gegenseitig zu helfen. Informationen zu diesem Angebot gibt es online unter www.vhs-langenfeld.de oder bei der VHS-Geschäftsstelle im Rathaus.
Der Vortragsabend fand in Kooperation mit dem Bündnis „Wir für Demokratie“ statt und war Teil der Veranstaltungsreihe Demokratieforum Langenfeld, die aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen aufgreift und Raum für Information und Austausch bietet.



