Die Firma „Enkeltrick und Co“ existiert seit 25 Jahren

Kein Tag vergeht, ohne dass man in der Zeitung liest ,dass der Trick mit Schockanrufen, falschen Polizeibeamten, Enkeltricks, Internetbetrugsmaschen, Halskettenräubern und Haustürgeschäften  immer wieder funktioniert Kriminalhauptkommissarin Stefanie Kleimann erläuterte im gut besuchten Wiescheider Treff, dass Angst und Stress die Gehirnleitung reduziere und entwickelte hilfreiche Gegenstrategien. Sie fokussierte auf Prävention, die Angehörige, Freunde, Bekannte  oder Nachbarn leisten können. Was kann man  tun, um ältere  Angehörige vor Kriminalität zu schützen?

Der psychologische Mechanismus „Flucht-Angriff-Schockstarre“ greife in dem Moment, wo den Trickbetrügern die Tür im realen und symbolischen Sinne geöffnet wird. Sie simulierte die berühmten Tricks mit falschen Wasserwerkern, Stromablesern, Kripo-Spurensicherung, Spendensammlern, Fernsehtechnikern und der berühmtem Glas-Wasser-Bitte, die sich immer perfider weiterentwickelt haben „ Es ist wie Ping-Pong im Kopf. Es geht rasend schnell. Es kann jedem passieren“-so Frau Kleimann und sie warnte:“ Das Ziel ist immer, unter einem Vorwand in Ihre Wohnung zu gelangen“- und sie betonte die Notwendigkeit, sich einen Wissensrucksack mit Verhaltensmaßregeln zu packen. Diese immer wieder einzuüben, sich klarzumachen ist wie Muskeltraining beim Sport. Das muss kontinuierlich geschehen, sonst bringt das nicht viel.

Daher ihr Rat nach Jahrzehntelanger Erfahrung

Regel Nr.1 Bleiben Sie vorsichtig und misstrauisch

Regel Nr.2 Die Tür bleibt zu

Regel Nr.3 Hilfe holen

Regel Nr.4 Rufen Sie die Polizei oder laut nach den Nachbarn

Diese Maßnahmen gelten auch für Trickbetrüger bei Haustürgeschäften wie Lederjackenverkäufer, Dachdecker, Teppichverkäufer/-reinigung und Gartenarbeiten. Diese „Unternehmen“ arbeiten mit fingierten Ortsangaben, die das Vertrauen der Kunden zu einem lokalen Anbieter erzeugen sollen.

Im 2.Teil ihres Vortrags ging die Polizeihauptkommissarin auf das Thema Betrug durch Enkeltrick, Falsche Polizisten und Schockanrufe ein. Die „Firma Enkeltrick“ funktioniert seit über 25 Jahren recht erfolgreich .Warum, wurde schnell klar, wenn man erfuhr, dass es leicht ist, im Darknet viele Daten einzukaufen, nicht nur Namen und Telefonnummern – auch Sozialversicherungsnummern. “Aber die wussten doch so viel von mir, das musste jemand aus der Familie sein“ dachten Opfer und wenn das Ganze mit Angst auslösenden Botschaften eines vermeintlichen Polizeibeamten, Staatsanwaltes oder Bankangestellten erfolgt , kann man sicher sein „Angst reduziert die Hirnleistung“. Es wird gedroht „Naher Verwandter ist Unfallverursacher ,Kaution ist erforderlich, Soforthilfe ist nötig“.

Auch die Enkeltrickvarianten 3.0. per WhatsApp wurden thematisiert “Mama, mein Handy ist kaputt, hier meine neue Nummer, von der ich aber noch nicht überweisen kann. Könntest Du für mich das Geld für das neue E-Bike anweisen. Bekommst Du morgen zurück“.

Ratschläge von Frau Kleimann:

  • Seien Sie misstrauisch
  • speichern Sie kein persönliches Foto im Profilbild
  • Nutzen Sie immer den Anrufbeantworter
  • Legen Sie auf, wenn Sie merkwürdige Anrufe bekommen
  • Atmen Sie durch
  • Kontaktieren Sie die Polizei oder eine Vertrauensperson
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände

Zum Schluss erfolgten Zahlen, Daten und Fakten:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik NRW 2024 verzeichnete eine Schadenssumme von

28.894.820 Euro bei den „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit überregionaler Tatbegehung“. Wenn man bedenkt, dass 10% der Taten zur Vollendung kommen, kann man immer nur weiter warnen und Aufklärung betreiben.

„Erzählen Sie es weiter, was Sie heute gehört und gelernt haben. Solche Begegnungsorte wie der Wiescheider Treff sind so wichtig. Sie müssen jetzt Multiplikatoren sein. Achten Sie nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf Nachbarn“

Im Anschluss an den zweistündigen Vortrag wurden Broschüren und Aufsteller mit Merksätzen und ein Türanhänger verteilt. Dankbar und mit großem Applaus wurde Polizeihauptkommissarin Stefanie Kleimann verabschiedet.